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Sophia

Fotografin aus Minden.

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Persönliches

Wer bist du und wie bist du zur LARP-Fotografie gekommen?

Ich bin Sophia, 34 Jahre alt, komme aus Minden und habe Kommunikationsdesign studiert. 

Mit LARP bin ich allerdings schon deutlich länger verbandelt als mit der Fotografie: Mit zwölf Jahren hatte ich meinen ersten Schaumstoffknüppel aka das selbstgebastelte Schwert einer Freundin in der Hand – und seitdem hat mich dieses Hobby nie so ganz losgelassen.

Die Fotografie selbst kam erst viel später dazu. Vor etwa drei Jahren habe ich angefangen, mich intensiver damit mit dem Thema zu beschäftigen, und zur LARP-Fotografie bin ich dann tatsächlich eher durch einen glücklichen Zufall gekommen. Meine Freunde Sascha und Helena von der Geddes-Orga hatten mir bereits ihre Hochzeit als mein allererstes Event überhaupt anvertraut – und hielten es offenbar für eine gute Idee, mich noch am selben Abend zu fragen, ob ich nicht auch ihre nächste Con fotografieren möchte. Nach zwölf Stunden Hochzeitsfotografie war mein Urteilsvermögen vermutlich bereits ausreichend eingeschränkt, denn ich habe einfach so ohne Vorerfahrung zugesagt *lacht*

Damit wurde ich direkt ins kalte Wasser geworfen – und rückblickend hätte mir kaum etwas Besseres passieren können. Diese erste Con war gleichzeitig völlig überwältigend und unfassbar großartig. Plötzlich konnte ich zwei Dinge miteinander verbinden, für die ich mich ohnehin begeistere: Fotografie und LARP. Da habe ich definitiv Blut geleckt. Seitdem bin ich immer mal wieder auf unterschiedlichen LARP-Veranstaltungen mit der Kamera unterwegs.

Was fasziniert dich am meisten an der LARP-Szene?

Puh, wo soll ich anfangen? Ich glaube, mich fasziniert vor allem diese unglaubliche Mischung aus Kreativität, Handwerk und gemeinsamem Geschichtenerzählen. Menschen investieren teilweise Jahre in ihre Charaktere, schreiben Hintergrundgeschichten, nähen Gewandungen, bauen oder individualisieren Rüstungen und Ausrüstung und machen sich Gedanken über winzige Details, die am Ende vielleicht fünf Leute überhaupt bemerken – einfach, weil es ihnen wichtig ist.

Und dann treffen all diese Ideen auf einer Con aufeinander und plötzlich entsteht etwas, das niemand vollständig planen kann. Charaktere entwickeln Beziehungen, geraten in Konflikte, treffen Entscheidungen und manchmal entwickelt sich aus einer völlig nebensächlichen Begegnung eine Geschichte, über die Jahre später noch gesprochen wird. Diese Unvorhersehbarkeit finde ich wahnsinnig spannend.

Gleichzeitig liebe ich, wie viele unterschiedliche Menschen und Fähigkeiten in der Szene zusammenkommen. Da gibt es Leute, die fantastische Rüstungen bauen, nähen, schmieden, schreiben, schauspielern, organisieren, musizieren oder sich vollkommen wahnsinnige Plots ausdenken. Und am Ende tragen alle irgendwie ein kleines Stück dazu bei, dass für ein Wochenende eine Welt entsteht, die es vorher nicht gab und danach so auch nie wieder geben wird.

Als Fotografin bekomme ich dann auch noch das große Privileg, mitten durch diese Welt laufen zu dürfen und mir die schönsten, dreckigsten, emotionalsten und absurdesten Momente herauspicken zu dürfen. Was will man eigentlich mehr!

Erinnerst du dich noch an dein erstes LARP als Fotograf?

Auf jeden Fall! Das war die besagte Geddes-Veranstaltung – und ich war unsagbar aufgeregt. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch viel stärker mit den technischen Aspekten meiner Kamera beschäftigt. Heute laufen viele Einstellungen automatisch nebenher, damals musste ich gefühlt noch über jeden Handgriff nachdenken – während um mich herum natürlich munter das LARP / die Szenerie vollständig eskalierte. *lacht*

Ein großer Vorteil war aber definitiv, dass ich selbst schon LARP-Erfahrung hatte. Ich kannte die Dynamiken, hatte ein gewisses Gespür dafür, wann sich irgendwo eine interessante Situation entwickelte, und wusste vor allem, wie ich mich als Außenstehende möglichst unauffällig im Spiel bewegen kann. Ich musste also zumindest nicht gleichzeitig noch lernen, wie LARP überhaupt funktioniert.

Nichtsdestotrotz war ich hart überfordert. Überall passierte irgendetwas, ständig hatte ich das Gefühl, gleichzeitig an drei anderen Orten sein zu müssen, und natürlich wollte ich bloß nichts verpassen. Aber ich hatte wahnsinnig viel Spaß dabei – und am Ende sind tatsächlich auch ein paar Bilder entstanden, auf die ich bis heute gerne zurückblicke.

Vermutlich war es auch ganz gut, dass ich keine große Gelegenheit hatte, mir vorher allzu viele Gedanken darüber zu machen. Danach wusste ich jedenfalls ziemlich schnell: Jo, Das mach ich wieder!

Was begeistert dich außerhalb der Fotografie?

Abseits vom LARP bin ich generell für alles zu haben, was irgendwie kreativ ist oder gute Geschichten erzählt. Ich spiele Magic: The Gathering, P&P und Gesellschaftsspiele, zocke am Rechner oder an der Konsole und kann mich wunderbar in Hörbüchern verlieren. 

Gleichzeitig bin ich aber auch wahnsinnig gern draußen (vorzugsweise zu kühleren Temperaturen), vor allem mit meiner Hündin Skadi im Wald, gehe auf Festivals oder stehe in der Küche und probiere irgendetwas aus.

Ich habe immer irgendein Projekt, Hobby oder neuen Schabernack, mit dem ich mich beschäftigen möchte. Langeweile gibt es bei mir nie.

Fotos entstanden auf dem Event: Geddes VII & Geddes VI

Die Magie der LARP-Fotografie

Was macht LARP-Fotografie anders als andere Arten der Fotografie und was ist die größte Herausforderung?

Das Besondere ist für mich, dass ich mich fotografisch innerhalb einer Welt bewege, die eigentlich nur für einen sehr begrenzten Zeitraum existiert. Für ein paar Tage entstehen Charaktere, Beziehungen, Konflikte und ganze Geschichten – und danach bleibt davon vor allem das, was die Beteiligten erlebt und erinnert haben. Fotografie kann einen Teil davon sichtbar bewahren.

Gleichzeitig kann ich beim LARP kaum etwas kontrollieren. Ich kann nicht sagen: „Das Licht war gerade großartig, schlagt euch bitte noch einmal genauso.“ *lacht* 
Ich muss mit dem arbeiten, was vor mir passiert, schnell reagieren und trotzdem versuchen, nicht einfach nur abzubilden, was passiert ist, sondern etwas davon einzufangen, wie es sich angefühlt haben könnte.

Und genau das macht für mich den Reiz aus. Im besten Fall sieht ein Foto später nicht danach aus, als hätte jemand eine Gewandung angezogen und wäre auf einer Veranstaltung gewesen, sondern wie ein kurzer Blick in eine Welt, die für diesen Moment tatsächlich existiert hat.

Welche Momente versuchst du besonders einzufangen?

Ich habe offenbar einen guten Riecher für Dramatik. *lacht* 
Mich ziehen vor allem Situationen an, in denen etwas in der Luft liegt: ein Blick zwischen zwei Charakteren, Anspannung vor einem Kampf, Trotz, Erschöpfung, Nähe, Verzweiflung – diese kleinen Momente, bei denen man als Betrachter vielleicht gar nicht genau weiß, was passiert ist, aber unbedingt wissen möchte, welche Geschichte dahintersteckt.

Natürlich liebe ich auch die großen Szenen. Wenn zwanzig Leute aufeinander losgehen, überall Waffen, Rüstungen, Dreck und Bewegung sind, bin ich mit der Kamera ziemlich glücklich.

Was macht ein Bild für dich wirklich gelungen?

Technische Perfektion allein macht für mich noch kein gelungenes Bild. Natürlich freue ich mich über tolles Licht, eine starke Komposition und einen Moment, bei dem das alles zusammenkommt – aber entscheidend ist für mich, ob das Bild etwas auslöst.

Eines der schönsten Komplimente, die ich zu meiner Arbeit bekommen habe, war einmal sinngemäß: „Deine Bilder sehen so aus, wie ich das LARP in meiner Erinnerung vor meinem inneren Auge sehe.“ Das ist eigentlich genau das, was ich erreichen möchte.

Wenn jemand sein Foto anschaut und darin nicht einfach sich selbst in Gewandung sieht, sondern seinen Charakter – oder sich plötzlich wieder daran erinnert, wie sich diese Situation angefühlt hat –, dann ist das Bild für mich gelungen. Und wenn jemand, der gar nicht dabei war, das Foto sieht und sofort wissen möchte, was dort eigentlich passiert ist, umso besser.

Suchst du eher epische Szenen oder die kleinen, emotionalen Momente?

Für mich schließen sich epische Szenen und kleine emotionale Momente überhaupt nicht gegenseitig aus. Eine ganz stille Szene zwischen zwei Charakteren kann unglaublich episch sein – genauso wie eine riesige Schlacht emotional völlig leer wirken kann, wenn dahinter eigentlich nichts passiert außer: „Da sind die Bösen, die hauen wir jetzt einfach um.“ *lacht*

Natürlich liebe ich es, mitten im Schlachtengetümmel zu stehen. Bewegung, Dreck, Rüstungen, Waffen, Chaos – fotografisch ist das großartig. Aber wirklich spannend wird es für mich erst, wenn hinter dem Spektakel auch etwas steckt. Wenn ich in den Gesichtern sehe, dass für die Charaktere gerade etwas auf dem Spiel steht. Angst, Wut, Verzweiflung, Entschlossenheit oder vielleicht der Versuch, jemanden zu beschützen – dadurch bekommt auch die größte Szene erst ihre Bedeutung.

Und andersherum braucht es überhaupt kein großes Spektakel. Manchmal reicht ein Blick, eine Berührung oder eine einzelne Person, die irgendwo sitzt und mit den Konsequenzen dessen klarkommen muss, was gerade passiert ist. Wenn ein Moment eine Geschichte erzählt und etwas fühlen lässt, ist mir eigentlich völlig egal, ob darin zwanzig Leute kämpfen oder zwei Menschen schweigen.

Fotos entstanden auf dem Event: Orks vs. Krone III - Wagenburg e.V.

Besondere Erinnerungen

Gab es einen Moment, bei dem du dachtest: „Genau dafür mache ich das“?

Eigentlich gibt es so einen Moment immer mindestens einmal auf Con. 
Wenn sich alles zusammenfügt: Emotion, Ereignis, Komposition, Licht, etc. – dann schlägt mein Fotografenherz höher und ich bin glücklich. 

Aber insgesamt würde ich sagen: Ich bekomme als Fotografin für ein Wochenende unglaublich viel Spiel, Emotion und Herzblut vor die Kamera gestellt – und darf den Leuten anschließend ein kleines Stück davon zurückgeben. Ich glaube, genau dafür mache ich das.

Was war die verrückteste Situation, die du jemals auf einem Con fotografiert hast?

Auf dem letzten Forrest Town hatte ich einen lustigen Moment. Western-LARP – 19. Jahrhundert: Der Zahnarzt kommt in die Stadt und behandelt die Bewohner.

Einer seiner Patienten – sagen wir mal: ein Kind im Körper eines erwachsenen Mannes – setzt sich mit sehr …naja, äußerst gemischten Gefühlen auf den Behandlungsstuhl, die Hände fest bei seiner „Mutter“ umklammert. Der Zahnarzt schaut behutsam, aber bestimmt in seinen Mund, setzt mit seinem Besteck an und das Erste, was er herausfischt, ist ein Karamellbonbon.

Das Bonbon landet mit einem Schmunzeln in der Schale seiner Assistentin und der Zahnarzt versucht erneut, sich seiner eigentlichen Arbeit zu widmen. Währenddessen veranstaltet der Patient einen riesigen Aufstand, seine senile Mutter zetert daneben herum und die ganze Behandlung entwickelt sich langsam zum Spektakel mit immer mehr Zuschauern.

Der Zahnarzt, wirklich bemüht, setzt also ein zweites Mal an – und findet das nächste Bonbon. Auch das wird vollkommen professionell entfernt. Aber nein, es hört noch nicht auf! Dritter Versuch: noch ein Bonbon. Spätestens da war es bei allen vorbei. 

Ich frage mich bis heute, wie der Spieler es geschafft hat, diese ganzen Bonbons wie ein Hamster in seinem Mund zu bunkern und gleichzeitig völlig unbeirrt weiterzuspielen (und zwar todernst!). Ich war jedenfalls irgendwann so sehr damit beschäftigt, nicht laut loszulachen, dass ich beinahe vergessen hätte, überhaupt noch Fotos zu machen.

Welche Geschichte steckt hinter deinem Lieblingsfoto? / Welches Bild aus deiner Laufbahn bedeutet dir besonders viel?

Ich glaube, ich habe gar nicht dieses eine Lieblingsfoto – eher eine bestimmte Art von Bild, bei der ich sofort glücklich bin. Gebt mir abgefuckte Rüstungen, Dreck, erschöpfte Gesichter, eine düstere Szenerie und im Idealfall noch richtig „beschissenes“ Wetter, und ich bin fotografisch im Himmel.

Ich liebe Bilder, bei denen man den Charakteren und ihrer Ausrüstung ansieht, dass sie etwas erlebt haben. Eine Rüstung darf für mich Kratzer haben, dreckig und benutzt aussehen. Ein Gesicht darf erschöpft sein, die Haare dürfen überall kleben und die Kleidung vom Regen völlig durchnässt sein. Wenn dazu noch eine entsprechende Emotion kommt, wird es für mich richtig spannend.

Deshalb entstehen viele meiner persönlichen Lieblingsbilder tatsächlich in Situationen, über die sich andere wahrscheinlich eher ärgern würden. Regen, Nebel, Matsch, weniger Licht – fotografisch kann das unglaublich viel Atmosphäre erzeugen. Gerade bei Schlachten liebe ich diese Momente, in denen nicht mehr alles nach sauberer Gewandung und Veranstaltung aussieht, sondern die Illusion plötzlich funktioniert und ich beim Blick durch die Kamera denke: „Hell yeah!“.

Und wenn mir das Wetter nicht entgegenkommt, helfe ich beim Editing auch ganz gerne ein bisschen nach. Meine Bildbearbeitung ist ohnehin ein wichtiger Teil meiner Bildsprache: eher düster, gritty und atmosphärisch.

Wenn ich also eine Geschichte hinter meinem Lieblingsfoto erzählen müsste, wäre es vermutlich weniger die Geschichte eines einzelnen Bildes als die vieler Bilder: Menschen haben sich stundenlang gegenseitig durch den Matsch geprügelt und ich stand begeistert daneben, weil das Wetter endlich richtig schön „scheiße“ war. *lacht*

Gibt es einen Charakter oder eine Gruppe, die dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Auf der Con „Orks vs. Krone II“ habe ich zum ersten Mal eine wirklich große Menge Orks live in action gesehen und fotografieren dürfen. Das war schon ziemlich beeindruckend. 
Allein als „Mensch“ – auch wenn ich als Fotografin natürlich eher externe Beobachterin war – in dieses Lager zu schleichen und plötzlich mitten zwischen diesem famos gewandeten Orkheerlager zu stehen, hatte schon etwas. Ich weiß noch, dass ich tatsächlich ein bisschen eingeschüchtert war.

Fotografisch war das natürlich gleichzeitig ein absolutes Fest für mich: dreckige und abgenutzte Rüstungen, Masken, Schminke, Waffen und überall Details, an denen man hängenbleiben konnte. Vor allem hat aber das Gesamtbild funktioniert. Es waren nicht einfach einzelne großartig gestaltete Charaktere – als Gruppe haben sie eine unglaublich geschlossene und glaubwürdige Welt erzeugt.

Und wenn diese Horde dann auch noch geschlossen in Bewegung kam, gebrüllt und gekämpft hat, war endgültig vorbei. Das war genau die Art von kontrolliertem Chaos, bei der ich mit meiner Kamera sehr glücklich bin. Naja, seitdem haben die Orks (und natürlich Trolle, Goblins, etc.!) einen besonderen Platz in meinem Herzen <3

Fotos entstanden auf dem Event: Orks vs. Krone III - Wagenburg e.V.

Für die Leser

Worauf sollten Spieler achten, wenn sie gerne fotografiert werden möchten?

Eigentlich ist der wichtigste Tipp: Spielt! Ich persönlich mag es am liebsten, wenn die Kamera möglichst vergessen wird und ich Situationen begleiten kann, die ohnehin gerade entstehen. Wer aktiv mit seinem Charakter unterwegs ist, interagiert und Emotionen zeigt, bietet automatisch unglaublich viele Möglichkeiten für spannende Bilder.

Ein bisschen kann man der Kamera aber natürlich entgegenkommen. Licht ist dabei ein riesiges Thema. Die atmosphärischste dunkle Ecke der Taverne kann für das eigene Auge großartig aussehen und fotografisch trotzdem einfach zu dunkel sein. Andersherum ist die pralle Mittagssonne mit ihren harten Schatten auch nicht unbedingt unser bester Freund. Wer also die Wahl hat, kann interessante Spielszenen durchaus mal dorthin verlagern, wo etwas mehr oder schöneres Licht vorhanden ist.

Was macht einen Charakter für Fotografen interessant?

Für mich wird ein Charakter interessant, wenn ich das Gefühl habe, dass es an ihm etwas zu entdecken gibt: Eine bestimmte Körperhaltung, ein intensiver Blick, Dreck und Gebrauchsspuren, ein besonderes Detail an der Ausrüstung oder einfach die Art, wie jemand seinen Charakter verkörpert.

Besonders spannend finde ich Charaktere, bei denen die äußere Gestaltung und das Spiel miteinander funktionieren. Wenn Kleidung, Rüstung, Waffen, Mimik und Körpersprache gemeinsam etwas darüber erzählen, wer diese Person sein könnte, entstehen für mich sofort Bilder im Kopf. Ich möchte dann wissen: Was hat dieser Charakter erlebt? Wo kommt er her? Was ist gerade passiert?

Und wahrscheinlich habe ich tatsächlich eine kleine Schwäche für Charaktere, denen man ansieht, dass das Leben nicht immer besonders freundlich zu ihnen war. *lacht* 
Eine raue, düstere Ästhetik hat mich schon immer angezogen. Perfektion interessiert mich dabei viel weniger als Persönlichkeit. Ein Charakter muss für mich nicht „schön“ sein – er muss etwas erzählen!!!

Wie können Spieler dazu beitragen, bessere Fotos zu ermöglichen?

Licht und Hintergrund machen fotografisch einen enormen Unterschied. Eine wunderschöne Szene direkt neben Wasserflaschen, Plastiktüten und OT-Geraffel wird es mir deutlich schwerer machen als dieselbe Szene ein paar Meter weiter. Natürlich kann und soll während des Spiels niemand permanent darüber nachdenken, was gerade hinter ihm steht – aber ein grundsätzlich möglichst stimmiges Lager hilft uns Fotograf:innen enorm.

Bei geplanten Aktionen freue ich mich außerdem sehr über einen kurzen Hinweis. Wenn ihr wisst, dass gleich ein Ritual, eine Vorstellung, ein Kampf oder irgendeine andere großartige Schandtat stattfindet, sagt Bescheid! Ich kann nicht wissen, was überall gleichzeitig passiert, und wäre lieber rechtzeitig da, als fünf Minuten später zu hören: „Du hättest gerade unbedingt dabei sein müssen!“ *lacht*

Ansonsten: Habt keine Angst vor großen Emotionen. Was sich im Spiel vielleicht schon sehr deutlich anfühlt, kann auf einem Foto wesentlich zurückhaltender wirken. Gerade starke Gestik, Körpersprache und Mimik können einer Szene unglaublich viel geben.

Was möchtest du den LARPern mit auf den Weg geben?

In erster Linie: Spielt für euch und nicht für die Kamera. Ein gutes Foto ist für mich ein Nebenprodukt einer großartigen Situation und niemals wichtiger als das Spiel selbst.

Was ich tatsächlich manchmal schade finde, ist, wenn Menschen die Kamera bemerken und sofort ihr Spiel unterbrechen oder direkt in die Kamera schauen. Ihr müsst für mich nichts machen! Im Gegenteil: Ignoriert mich ruhig. Wenn ich mitten in einer Szene um euch herumschleiche, möchte ich normalerweise genau das fotografieren, was ihr ohnehin gerade tut und keine gestellten Szenen.

An dieser Stelle möchte ich auch einfach mal Danke sagen. An all die Menschen, die meine Bilder teilen, kommentieren, als Profilbilder verwenden, ihren Freunden schicken oder mir schreiben, was hinter einer bestimmten Szene eigentlich passiert ist. Ich glaube, vielen ist gar nicht bewusst, wie sehr ich mich darüber freue.

Gerade nach einer Con verbringe ich noch sehr viele Stunden mit den Bildern – beim Sichten, Aussortieren und Bearbeiten – und irgendwann sitzt man allein vor seinem Rechner und fragt sich durchaus, ob Bild Nummer 847 jetzt wirklich noch irgendjemanden interessiert. *lacht* Wenn die Fotos dann veröffentlicht werden und ich sehe, wie Charaktere darin wiedererkannt, Geschichten weitererzählt und Erinnerungen geteilt werden, ist das für mich unglaublich schön.

Besonders freue ich mich auch, wenn meine Bilder irgendwo weiterleben – als Profilbild, in einem Charakterpost, als Erinnerung an eine bestimmte Szene oder einfach, weil jemand sich darauf richtig cool findet. Genau dafür mache ich das schließlich.

Also: Danke fürs Teilen, Verlinken, Kommentieren und Geschichten-Erzählen. Danke für euer Vertrauen. Ohne euch gäbe es nichts davon festzuhalten. ❤️

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