Persönliches
Wer bist du und wie bist du zur LARP-Fotografie gekommen?
Ich bin Björn Lubetzki, Fotograf aus Polch in Rheinland-Pfalz.
Meine Fotografie ist ziemlich vielseitig. Ich fotografiere Menschen, Porträts, Motorsport, Autos und eben auch LARPs.
Zur LARP-Fotografie bin ich tatsächlich über World of Warcraft gekommen. Jemand aus meinem WoW-Raid fragte mich irgendwann: „Ey, du fotografierst doch. Hast du nicht mal Lust, bei uns Fotos zu machen? Wir machen LARP.“
Und so fing das Ganze an.
Seit wann fotografierst du auf LARP-Veranstaltungen?
Mein erstes LARP habe ich 2013 bei der Drachenhöhle fotografiert. Bis heute war ich fast ausschließlich bei Veranstaltungen der Drachenhöhle unterwegs. Dazu kamen noch einige wenige Schatten-Quest-LARPs.
Was fasziniert dich am meisten an der LARP-Szene?
In erster Linie sind es die Menschen. Über die Jahre sind viele Freundschaften entstanden, die mir sehr viel bedeuten.
Außerdem habe ich einige Jahre lang selbst beim Bau von LARP-Props mitgeholfen. Es macht einfach Spaß, nicht nur die fertigen Welten zu fotografieren, sondern auch selbst ein Stück weit an ihrer Entstehung beteiligt zu sein.
Und natürlich ist es schön, Fotos zu machen und zu wissen, wie sehr sich die Menschen darüber freuen.
Was begeistert dich außerhalb der Fotografie?
Ich würde mich selbst als Maker bezeichnen. Ich liebe es, Dinge auszuprobieren, selbst zu bauen, kreativ zu sein und einfach „coolen Shit“ zu machen.
Ein weiterer wichtiger Teil meines Lebens ist mein Engagement für Inklusion und Barrierefreiheit. Ich arbeite mit verschiedenen Unternehmen an diesen Themen und versuche, mit meinen Möglichkeiten die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Dazu gehören auch eigene kreative und fotografische Projekte, mit denen ich Menschen und ihre Geschichten sichtbar machen möchte.
Die Magie der LARP-Fotografie
Was macht LARP-Fotografie anders als andere Arten der Fotografie?
Ich kenne natürlich nicht alle Arten der Fotografie und jede hat ihre ganz eigenen Herausforderungen.
Bei der LARP-Fotografie ist es vor allem der ständige Wechsel zwischen völlig unterschiedlichen Situationen. Von großen Schlachten zu ruhigen, emotionalen Porträts. Und das zu jeder Tageszeit, bei jedem Wetter und in den unterschiedlichsten Umgebungen.
In einem Moment fotografiert man eine Schlacht auf einem Feld in der prallen Sonne. Zwei Minuten später steht man unter dichten Bäumen und fotografiert jemanden, der um einen gefallenen Charakter trauert.
Eine Stunde später steht man im Regen und fotografiert Spieler, die unter einem Tarp sitzen und Verwundete versorgen. Nur um 15 Minuten später die nächste Schlacht zu fotografieren. Diesmal allerdings tief im Wald, wo kaum noch Licht vorhanden ist.
Das ist nicht nur eine Herausforderung für die Ausrüstung, sondern auch für uns Fotografen. Man ist ständig unterwegs, läuft unglaublich viel und muss sich innerhalb von Sekunden auf völlig neue Situationen einstellen können.
Und genau diese Herausforderung ist es, die ich an der LARP-Fotografie so mag.
Was mich nach jedem LARP allerdings wahnsinnig macht, ist das Color Grading. Manchmal ist es fast schwieriger, die Farben der Fotos so hinzubekommen, wie ich sie haben möchte, als die Fotos überhaupt zu machen. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst kleinste Farbnuancen erkenne. Wenn ich andere frage: „Welchen Weißabgleich findest du besser?“, kommt oft nur: „Ich sehe da keinen Unterschied.“ Und ich frage mich dann: „Schauen wir uns eigentlich das gleiche Bild an?“
Welche Momente versuchst du besonders einzufangen?
Ich bin ein großer Fan der Action-Fotografie. Natürlich fotografiere ich auch gerne Porträts und die kleinen, leisen und emotionalen Momente. Aber am meisten Spaß macht es mir, die Action einzufangen.
Was ist dir bei deiner Art der LARP-Fotografie besonders wichtig?
Beim Fotografieren versuche ich, das Spiel so wenig wie möglich zu beeinflussen. Ich fotografiere grundsätzlich von der Seite und stehe nur selten direkt im Geschehen. Dabei geht es mir nicht unbedingt darum, unsichtbar zu sein, sondern möglichst wenig abzulenken. Die größten Komplimente sind für mich: „Ich wusste gar nicht, dass es davon Bilder gibt!“ oder „Ich habe dich die ganze Zeit gar nicht wahrgenommen.“
Das klingt vielleicht erst einmal widersprüchlich, weil ich bisher mit einer neongelben Bauarbeiterjacke herumlaufe. Damit bin ich natürlich extrem sichtbar. Aber die Spieler erkennen sofort, dass ich OT bin. Gerade deshalb können sie mich nach einer Weile einfach ausblenden. Ich bin auffällig, aber im besten Fall überhaupt nicht ablenkend.
In Zukunft hätte ich trotzdem gerne Kleidung, die optisch etwas mehr in Richtung IT geht. Sie muss aber weiterhin klar erkennen lassen, dass ich kein Spieler bin. Wenn jemand mich im Wald für einen Charakter hält, mich anspielt und erst dann merkt: „Ach, ist doch nur der Fotograf“, wäre das ziemlich dämlich. Ich möchte das Spiel festhalten, ohne es zu stören.
Was ist die größte Herausforderung bei der LARP-Fotografie?
Eine persönliche Herausforderung ist für mich meine Epilepsie. Ich würde gerne noch mehr LARPs fotografieren, aber gerade die Schlafsituation bei mehrtägigen Veranstaltungen ist für mich nicht immer einfach.
Bei der Drachenhöhle habe ich das Glück, dass die Orga dafür Verständnis hat. Wir haben gemeinsam eine Lösung gefunden, die für mich gut funktioniert.
Mir ist aber auch bewusst, dass ich diese Rücksichtnahme und die damit verbundene „Sonderstellung“ nicht von jeder LARP-Veranstaltung erwarten kann.
Besondere Erinnerungen
Welches Bild aus deiner Laufbahn bedeutet dir besonders viel?
Es gibt viele Fotos, die mir sofort in den Sinn kommen, wenn ich die Augen schließe und an meine LARP-Fotografie denke. Aber dieses eine Foto, bei dem ich sagen würde „Das ist es!“, gibt es für mich nicht.
Gab es einen Moment, bei dem du dachtest: „Genau dafür mache ich das“?
Da gibt es tatsächlich einige Momente.
Zum Beispiel, wenn Spieler noch Jahre später zu mir kommen und sagen: „Das Foto, das du damals von meinem Mann und unserem Sohn gemacht hast, hängt immer noch bei uns.“
Oder wenn Gruppen meine Fotos verwenden, um daraus zusammen mit Musik richtig epische Videos zu machen.
Aber das Wichtigste war für mich, dass ich den Eltern eines Jungen noch einmal Fotos von ihrem Sohn geben konnte. Der Junge hatte sich dazu entschlossen, sein Leben zu beenden. Einige seiner Freunde haben Fotos von mir in ein Fotoalbum für seine Eltern gepackt, damit sie sich an ihren Sohn erinnern können.
Gibt es einen Charakter oder eine Gruppe, die dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Da ich über einige Jahre nicht nur Fotograf, sondern auch Teil der Orga war, habe ich unglaublich viele Menschen und Gruppen kennengelernt, die mir auf die eine oder andere Art im Gedächtnis geblieben sind.
Manche wegen ihrer tollen Kostüme, andere wegen ihrer Charakterkonzepte und wieder andere, weil aus den Begegnungen über die Jahre Freundschaften entstanden sind.
Die alle aufzuzählen, würde den Rahmen hier wohl etwas sprengen.
Und es sind ja nicht nur die Charaktere und Gruppen, sondern auch die Menschen dahinter. Die NSCs, die anderen LARP-Fotografen, denen ich begegnet bin, die Orga und viele mehr.
Für die Leser
Worauf sollten Spieler achten, wenn sie gerne fotografiert werden möchten?
Am besten melden sie sich vorher bei den Fotografen.
Ich persönlich bin auf einem LARP in erster Linie dafür da, die Momente festzuhalten, die während des Spiels entstehen. Ein laufendes LARP ist für mich nicht der richtige Ort, um inszenierte Charakterfotos zu machen.
Natürlich kann man mal eine Ausnahme machen, aber grundsätzlich mache ich solche Fotoshootings während des Spiels sehr ungerne.
Wenn jemand gerne schöne Charakterfotos von mir haben möchte, kann sich die Person gerne melden. Dann schauen wir gemeinsam, wie wir das hinbekommen. Vielleicht vor dem Time-in, nach dem Ende der Veranstaltung oder auch völlig unabhängig von einem LARP als ganz normales Fotoshooting in LARP-Gewandung.
Dann können wir uns eine passende Location suchen, einen Blitz mitnehmen und uns die Zeit nehmen, um mit coolem Licht und passenden Posen richtig gute Bilder zu machen.
Was macht einen Charakter für Fotografen interessant?
Für mich ist es die Kombination aus gutem Spiel und gutem Weathering.
Eine Gewandung muss überhaupt nicht teuer sein, um gut auszusehen! Ein einfaches Leinenhemd, eine Hose, vielleicht noch ein Mantel und ein gutes Weathering können völlig ausreichen.
Wer ganz neu beim LARP ist, kann sich ein Leinenhemd vielleicht bei anderen LARPern leihen oder findet etwas Gebrauchtes im Netz.
Ich fotografiere lieber jemanden in einer solchen Gewandung, der sich gerade um eine verletzte Person kümmert, als einen Ritter in einer schimmernden Rüstung, bei der man sofort sieht, dass sie gerade erst für viel Geld gekauft wurde und noch brandneu aussieht.
Das bedeutet aber nicht, dass wir Fotografen aufwendige Gewandungen nicht zu schätzen wissen. Ganz im Gegenteil! Wenn jemand mit einer außergewöhnlichen Gewandung auftaucht, in der Hunderte Stunden Arbeit stecken, sehen wir das natürlich. Und wir freuen uns darüber genauso wie die anderen Spieler!
Es kommt eben nicht darauf an, wie viel Geld jemand für seine Gewandung ausgegeben hat, sondern darauf, wie glaubwürdig der Charakter wirkt und wie er gespielt wird.
Normale Straßenkleidung fällt dagegen oft sofort auf. Das macht es nicht nur schwieriger, selbst schöne Fotos zu bekommen, sondern kann auch ein Bild von jemand anderem ruinieren, der vielleicht Hunderte Stunden Arbeit in seine Gewandung gesteckt hat.
Und noch ein kleiner Tipp: Wascht eure weißen LARP-Hemden bitte nicht mit Waschmittel, das Bleiche enthält. Strahlend weiße Kleidung ist vielleicht toll für ein Business-Meeting, fällt auf einem LARP aber extrem auf. Wobei das natürlich auf das jeweilige LARP und dessen Setting ankommt!
Wie können Spieler dazu beitragen, bessere Fotos zu ermöglichen?
Gar nicht aktiv! Ein LARP ist kein Fotoshooting!
Ich bin dort, um die Momente festzuhalten, die während des Spiels entstehen, und nicht, um das Spiel für bessere Fotos zu beeinflussen. Die Spieler sollen spielen und nicht für die Kamera posieren.
Das ist zumindest meine persönliche Meinung. Andere Fotografen mögen das anders sehen.
Welche Fehler begegnen dir häufig vor der Kamera?
Wenn man einige Jahre lang LARPs fotografiert hat, sieht man immer wieder die gleichen typischen Fehler.
Mein wichtigster Tipp: Spiel aus!
Wenn du dein Charakterkonzept erst erklären musst, ist es Scheiße!
Oder wenn jemand Treffer nicht ausspielt, weil sein Charakter vorher zu einer Göttin gebetet hat, die ihn angeblich für 30 Minuten unverwundbar macht. Oder weil er im Lager irgendeinen Trank getrunken hat, durch den er im nächsten Kampf keinen Schmerz spürt und deshalb keine Treffer ausspielen muss ...
LARP ist ein Miteinander!
Support
Wie kann man dich am besten unterstützen?
Da gibt es tatsächlich einige Möglichkeiten.
Die erste und einfachste ist, uns Fotografen zu nennen und zu verlinken, wenn ihr unsere Fotos irgendwo veröffentlicht. Und da spreche ich nicht nur für mich, sondern für alle Fotografen. Wenn ihr Bilder verändert, schreibt einfach dazu: „Originalbild von XY“.
Die zweite Möglichkeit ist eine Zusammenarbeit. Das kann ein Fotoshooting sein oder eine LARP-Orga, die sagt: „Wir wissen, dass es aufgrund deiner Behinderung nicht ganz einfach wird, aber wir bekommen das gemeinsam hin.“
Oder jemand, der sieht, dass ich neben LARP auch Motorsport und Autos fotografiere, und sagt: „Hey, ich hätte da etwas, das dich interessieren könnte!“ Für solche Sachen bin ich immer offen.
Und die dritte Möglichkeit sind spannende Projekte. Wenn jemand sagt: „Wir planen da ein cooles Projekt zum Thema Inklusion, Sport, Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, oder etwas ganz anderes und suchen noch einen Fotografen. Hast du Lust?“
Gerade Behindertensport fände ich richtig geil!
Wenn ihr also eine coole Idee habt, meldet euch einfach bei mir.
Und falls ihr mich auch finanziell unterstützen möchtet, geht das über PayPal: bjoern.lubetzki@googlemail.com. Natürlich ganz freiwillig.
Hinweis zu unseren Fotos
Solltest du auf einem Foto zu sehen sein und nicht wünschen, dass es auf unserer Website gezeigt wird, gib uns einfach Bescheid. Wir entfernen das betreffende Bild selbstverständlich umgehend und unkompliziert. Schreib uns dafür einfach eine Nachricht an: Jess@freyhand.com